Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist eingeteilt in sechs Sprengel, denen jeweils ein Landessuperintendent oder eine Landessuperintendentin vorsteht. Seit November 2001 hatte Manfred Horch die geistliche Leitung und Aufsicht im Sprengel Stade inne, der mit elf Kirchenkreisen zwischen Elbe und Weser einer der größten Sprengel der Landeskirche ist.
Der Landessuperintendent gehört dem Bischofsrat der Landeskirche an, der aus den sechs Landessuperintendentinnen und Landessuperintendenten sowie Landesbischöfin Margot Käßmann besteht und eines der kirchenleitenden Gremien bildet. Als Regionalbischof vertritt der Landessuperintendent in seinem Kirchenbezirk die Bischöfin. Er segnet Diakoninnen und Diakone ein, ordiniert Pastorinnen und Pastoren und führt Superintendenten in ihr Amt ein. Darüber hinaus ist er Seelsorger aller kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu seinem Amt gehört weiterhin, Kirchen und Kapellen zu weihen sowie die Kirchenkreise und Einrichtungen der Diakonie des Sprengels zu visitieren.
Der Landessuperintendent hat in allen Gemeinden seines Sprengels Kanzelrecht, d.h. er darf in jeder Kirche predigen. Er lädt die Pastorinnen und Pastoren zu Generalkonventen und die Superintendenten zu Ephorenkonferenzen ein. Er repräsentiert die Landeskirche im kirchlichen und öffentlichen Leben des Sprengels und fördert die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gesellschaft.
Hans Christian Brandy wird Landessuperintendent im Sprengel Stade
Der Kirchensenat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hat Oberlandeskirchenrat Dr. Hans Christian Brandy zum Landessuperintendenten für den Sprengel Stade ernannt. Brandy tritt die Nachfolge von Landessuperintendent Manfred Horch an, der im Oktober 2009 verstorben ist.
„Ich freue mich sehr darauf, die Menschen und Gemeinden im Sprengel kennen zu lernen“, so Brandy. „Gern will ich mithelfen, dass wir als Kirche unseren Glauben fröhlich, verantwortlich und einladend leben und uns so in die Gesellschaft einbringen.“
Hans Christian Brandy wurde am 5. Dezember 1958 in Bonn geboren. Nach dem Abitur in Großburgwedel studierte er von 1977 bis 1984 Theologie in Göttingen und war dort anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für systematische Theologie tätig. 1989 wurde er mit einer Arbeit über die Christologie der Reformationszeit promoviert.
Nach dem Vikariat in Hildesheim und Loccum wurde Brandy Gemeindepastor in Steyerberg (Landkreis Nienburg/W.) Ab 1994 war er Persönlicher Referent von Landesbischof D. Horst Hirschler und Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann.
Im Jahr 2000 wurde Brandy zum Mitglied des Landeskirchenamtes berufen und ist Dezernent für die Bereiche Gottesdienst und Kirchenmusik, Konfessionelle Ökumene und ‚Kirche im Dialog’, Spiritualität und Missionarische Dienste. Er ist u.a. Vorsitzender des Kuratoriums des Michaelisklosters Hildesheim, dem Fortbildungszentrum der Landeskirche für Gottesdienst und Kirchenmusik. Er gehört dem Konvent des Klosters Loccum an und engagiert sich im Aufsichtsrat der Diakonischen Dienste Hannover.
Hans Christian Brandy ist mit der Pastorin Claudia Brandy verheiratet. Das Ehepaar hat drei Kinder im Alter von 19, 16 und 14 Jahren. In seiner Freizeit ist Brandy leidenschaftlicher Fahrradfahrer und läuft gelegentlich Marathon.
Brandy wird die Aufgabe als Regionalbischof in Stade zum 1. April antreten, die Einführung ist am 25. April um 14 Uhr in Stade.
Der Sprengel Stade ist mit rund 590.000 Kirchenmitgliedern in elf Kirchenkreisen einer der größten der sechs Kirchenbezirke, in die die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers gegliedert ist. Er umfasst das Gebiet zwischen Weser und Elbe von der Nordsee bis Rotenburg und Verden.
Derzeit haben eine Landessuperintendentin und vier Landessuperintendenten die geistliche Leitung und Aufsicht in den Sprengeln der Landeskirche. In ihrem jeweiligen Sprengel vertreten sie die Landesbischöfin. Sie ordinieren Pastorinnen und Pastoren, weihen Kirchen und Kapellen ein und nehmen die Dienstaufsicht wahr.
Der Landessuperintendent hat in allen Gemeinden des Sprengels das „Kanzelrecht“. Er darf überall predigen und sich mit Kundgebungen, die im öffentlichen Gottesdienst zu verlesen sind, an die Gemeinden wenden. Er lädt die Pastorinnen und Pastoren zu Generalkonventen und die Superintendenten zu „Ephorenkonventen“ ein und repräsentiert die Landeskirche im kirchlichen und öffentlichen Leben des Sprengels.
Brandys Vorgänger, Manfred Horch, war im Oktober 2009 nach einer schweren Krebskrankheit im Alter von 61 Jahren gestorben. Der leitende Theologe hatte seit August 2008 sein Amt ruhen lassen. Horch war im November 2001 als Regionalbischof im Sprengel Stade eingeführt worden.
Das Amt des Landessuperintendenten mit Sitz in Stade wird mit Brandy zum siebten Mal besetzt. Vorgänger waren vor Horch die leitenden Theologen Jürgen Johannesdotter (1992-2001), Karl Manzke (1977-1992), Martin Kruse (1970-1977), Hans Hoyer (1950-1970) und Franz Wiebe (1936-1948).
Hannover, 27.1.2010
Pressestelle der Landeskirche Dr. Johannes Neukirch
Mit Herz, Hand und langem Atem
Oberlandeskirchenrat Hans Christian Brandy wird neuer Landessuperintendent im Sprengel Stade
von Dieter Sell (epd)
Hannover/Stade (epd). Die "Route des Grandes Alpes" ist einer der berühmten französischen Wege durch die Alpen zum Mittelmeer. Und eine Lieblingsstrecke von Hans Christian Brandy. Der designierte Landessuperintendent des evangelischen Sprengels Stade und passionierte Rennradfahrer kennt den Schmerz, der bei den immensen Höhenunterschieden die Muskeln quält. Er kennt aber auch das Glücksgefühl, wenn die etwa 700 Kilometer lange Strecke vom Genfer See bis zur Côte d'Azur durch eine grandiose Landschaft geschafft ist. "Ohne Training geht das nicht", sagt Brandy.
Die akribische Vorbereitung auf dem Rad, beim Marathon und nicht zuletzt im Beruf ist typisch für den sportlichen 51-jährigen Oberlandeskirchenrat, der das neue Amt zum 1. April antreten soll. Die offizielle Einführung ist am 25. April in der Stader St.-Wilhadi-Kirche geplant. Brandy ist Nachfolger von Manfred Horch, der Ende Oktober im Alter von 61 Jahren nach langer und schwerer Krankheit starb. Als Regionalbischof zwischen Elbe und Weser steht er demnächst an der Spitze des Kirchenbezirks, ordiniert Pastorinnen und Pastoren, weiht Kirchen und Kapellen ein, führt Dienstaufsicht und ist die oberste Stimme der Landeskirche in der Region.
Der Job kann anstrengend werden. Denn mit seinen knapp 200 Gemeinden und rund 590.000 Mitgliedern ist der Sprengel bunt und gehört zu den größeren von sechs Kirchenbezirken der Landeskirche. Konflikte schwelen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Kürzungen, Kirchenkreisfusionen und Verwaltungsreformen. "Man muss sich die Kräfte einteilen", sagt Brandy - und denkt dabei nicht nur an seine Tour über die "Route des Grandes Alpes" oder an den Hannover-Marathon, den er Anfang Mai mitlaufen will.
Der gebürtige Bonner machte in Großburgwedel bei Hannover Abitur und studierte Theologie in Göttingen, wo er später auch über das Christusverständnis in der Reformationszeit zum Doktor der Theologie promovierte. Seine theologischen Wurzeln hat er in der Hermannsburger Erweckungsbewegung und in einer evangelischen Geschwisterschaft, die den christlichen Glauben mit den Themen der Zeit verbinden will. Von 1991 bis 1994 war er Gemeindepastor in Steyerberg bei Nienburg. Anschließend arbeitete er als persönlicher Referent von Landesbischof Horst Hirschler und dessen Nachfolgerin Margot Käßmann.
Seit knapp zehn Jahren ist er nun schon Oberlandeskirchenrat, zunächst für Medien, später unter anderem für Gottesdienst, Kirchenmusik, Ökumene und Volksmission. Seit 2004 ist er Konventual des Klosters Loccum, dem geistlichen Zentrum der Landeskirche, das auch als Kaderschmiede für theologische Führungskräfte gilt. Die Themen Gottesdienst und Kirchenmusik sind ihm besonders ans Herz gewachsen. Traditionelle Liturgien und neue Formen sind ihm dabei gleichermaßen lieb: „Wichtig ist ein einladender Gottesdienst. Da haben wir Nachholbedarf."
Rituale prägen den Mann, der nichts von anonymen Bestattungen und auch wenig von spektakulären Beisetzungen hält. Das widerspreche der Einzigartigkeit und Würde des Menschen: "Wir wissen, dass der Leib verwest, und vertrauen darauf, dass der Mensch bei Gott ist. Diese Hoffnung am Grab zu bezeugen, an dem die Trauer einen Ort hat, erscheint mir sinnvoller als immer ungewöhnlichere Bestattungsarten."
Spiritualität boomt, davon ist Brandy überzeugt. "Immer mehr Menschen empfinden, dass zum Leben mehr gehört als Arbeit und Urlaub, Beziehungsstress und Freizeitevents." Sie vermissten einen tragenden Sinn, der über das Alltägliche und den kurzfristigen Kick hinausgehe. Diesen Sinn zu finden, sei nicht einfach. Viele Menschen komponierten sich bei dieser Suche ihre eigene "Patchwork-Religiosität".
Die Kirche habe spirituell viel zu bieten, wirbt Brandy. Angebote etwa in Klöstern oder beim Pilgern gehörten dazu. "Spiritualität tut gut", betont der künftige Regionalbischof, der sich auch selbst regelmäßig im Gebet auf den Tag vorbereitet. "Aber sie tut es auf eine besondere Weise, denn sie ist keine fromme Variante der Wellnesswelle, die für einen Moment die unerfreuliche Welt vergessen lässt. Christliche Spiritualität führt nie in reine Innerlichkeit, sondern öffnet Herz und Hände für den Nächsten und die ganze Schöpfung."
Landessuperintendent Manfred Horch gestorben
Am Abend des 27. Oktober ist Landessuperintendent Manfred Horch nach langer, schwerer Krankheit in Stade verstorben. Seit 2001 leitete er als Regionalbischof den Sprengel Stade mit rund 200 Gemeinden.
„Wir sind betroffen und traurig über den Tod von Landessuperintendent Manfred Horch“, so Dr. Helmut Blanke, stellvertretender Landessuperintendent im Sprengel. „Durch seine theologische Kompetenz, seine menschliche Wärme und seinen seelsorgerlichen Leitungsstil hat er sich in den acht Jahren seines Wirkens in der Landeskirche und im Sprengel Anerkennung und Beliebtheit erworben. Unsere Gedanken und Gebete sind bei seiner Familie. Sein Tod ist für unseren Sprengel ein großer Verlust.“
Manfred Horch war seit August 2008 schwer erkrankt und musste seitdem die Amtsgeschäfte ruhen lassen. Er wurde am 2. Januar 1948 in Bredstedt im Kreis Husum geboren und wuchs in Denzlingen und Freiburg im Breisgau auf. Der von Jugend an kirchliche engagierte Theologe war seit 1973 mit Renate Horch verheiratet und hinterlässt drei erwachsene Kinder sowie zwei Enkeltöchter.
Der ehemalige EKD-Jugenddelegierte besuchte nach seiner Berufsausbildung als Zahntechniker von 1969 bis 1971 die Kollegstufe der Theologischen Akademie in Hermannsburg/Celle und begann dort 1971 ein Theologiestudium. Nach Erstem Theologischen Examen, Vikariat in Hannover-Bemerode, Zweitem Theologischen Examen und seiner Ordination war er bereits von 1976 bis 1985 schon einmal im Sprengel Stade tätig als Gemeindepastor in Fredenbeck.
1985 übernahm er das Studentenpfarramt in Hannover und war Mitglied im Präsidium der Bundesstudentenpfarrerkonferenz. 1990 wurde er Superintendent im Kirchenkreis Norden. Seit November 2001 war er Landessuperintendent und hatte die geistliche Leitung des damals größten Sprengels der Landeskirche mit rund 590.000 Kirchenmitgliedern in 197 Gemeinden und elf Kirchenkreisen. Als Landessuperintendent war er Mitglied des Bischofsrates.
Er war Vorsitzender der Deutschen Seemannsmission Hannover e.V., desKuratoriums des Ev. Bildungszentrums Bad Bederkesa sowie von 2003 bis 2008 Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Hospital Lilienthal e.V.
Lutheraner mit sozialpolitischer Stimme
Von Dieter Sell (epd)
Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann reagierte bestürzt und mit tiefer Trauer auf die Nachricht: Am Dienstag starb nach schwerer Krankheit Landessuperintendent Manfred Horch, der acht Jahre geistlicher Kopf des Sprengels Stade war. "Das ist ein großer Verlust für unsere Landeskirche", reagierte Käßmann, die in dem leitenden Theologen einen engagierten Prediger mit gewinnender Persönlichkeit sah. Horch war aber auch ein sozialethisch denkender Theologe, dem Themen wie Bildung und Familie besonders wichtig waren.
Seine berufliche Laufbahn begann Horch als Zahntechniker. Später war er der erste Landessuperintendent der hannoverschen Landeskirche, der über den zweiten Bildungsweg in das Amt kam. Der frühe Kontakt zur Arbeitswelt blieb ihm wichtig. So setzte er sich bei Diskussionen und Besuchen in Einrichtungen und Betrieben unter dem Motto "Vorfahrt Familie" insbesondere für die Belange von Kindern und Eltern ein. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern warb vehement für den freien Sonntag und plädierte aus eigener Anschauung für eine "Familienteilzeit", damit berufstätige Eltern mehr Zeit für ihre Kinder haben.
Horch übernahm im November 2001 das Amt des Regionalbischofs im Sprengel Stade, zu dem im Elbe-Weser-Raum etwa 200 Gemeinden mit rund 590.000 Mitgliedern zählen. Zuvor war er mehr als zehn Jahre Superintendent des Kirchenkreises Norden in Ostfriesland. Er wurde in Bredstedt bei Husum geboren und wuchs in der Nähe von Freiburg im Breisgau auf. Nach der zahntechnischen Ausbildung und einiger Zeit in diesem Beruf studierte Horch an der Theologischen Akademie Hermannsburg/Celle. Der damalige Stader Landessuperintendent Martin Kruse ordinierte ihn 1976 in Fredenbeck, wo Horch bis 1985 Gemeindepastor war. Bis 1990 war er Studentenpfarrer in Hannover und ging dann nach Norden.
Lange bevor die Finanzkrise die Weltwirtschaft erschütterte, setzte sich der fromme Lutheraner vor Arbeitgebern und Arbeitnehmern für eine sozial geerdete Marktwirtschaft ein, die Regeln und Grenzen braucht. "Luther erklärt es so", kommentierte er Anfang 2008 kurz nach seinem 60. Geburtstag die Firmenpolitik des Handyherstellers Nokia, der seinen Standort in Bochum dicht machen wollte: "Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseres Nächstes Geld oder Gut nicht nehmen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten."
Nokia war für ihn auch aus theologischer Sicht das Paradebeispiel für Gier und menschliche Ignoranz, ein Konzern, der einen Standort schließt, weil der Profit nicht hoch genug ist. Fast wütend reagierte er kurz vor dem Beginn der Finanzkrise auf Hedgefonds und Investmentbanken, die mit Grundnahrungsmitteln spekulieren. "Man spielt Kasino global auf Kosten der Armen, zulasten der Bauern und eigentlich aller Verbraucher", sagte er in einem Gottesdienst auf der Tarmstedter landwirtschaftlichen Ausstellung. Wer so an der Börse arbeite, verdiene an der Not anderer Menschen: "Damit fallen die Ärmsten unter die Räuber."
Eine Bildungsoffensive für benachteiligte Kinder, das evangelische Bildungszentrum in Bad Bederkesa und die gemeindenahe Sozialarbeit waren weitere wichtige Themen seiner Amtszeit. Beharrlich stellte er sich gegen rechtsextremistische Umtriebe wie etwa gegen das geplante Neonazi-Schulungszentrum des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Jürgen Rieger bei Verden. Die Bibel sah er als wichtiges Fundament für sein Engagement und seinen Glauben. Es war für ihn "ein Lebensbuch, das Mut und Orientierung vermittelt".
Noch kurz vor seiner Erkrankung und einer Krebsoperation im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf wollte Horch mit einer Veranstaltungsreihe den gesellschaftlichen Umgang mit Sterben und Tod thematisieren. Dazu kam es nicht mehr, weil er sein Amt ruhen lassen musste, auch wenn er auf eine Rückkehr hoffte. Klar war für ihn: "Wir müssen Tod und Sterben als Teil des Lebens annehmen." Horch wurde getragen von der Überzeugung, dass der Glaube der Angst vor dem Tod etwas entgegensetzt, "nämlich die christliche Hoffnung auf Verwandlung in ein neues Leben".