Verlässlich, klug und menschlich

Nachricht Rotenburg, 25. Juni 2025

Landeskirche würdigt Hartmut Ladwig für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement

Unter großem Applaus wurde Hartmut Ladwig während der jüngsten Kirchenkreissynode das Silberne Facettenkreuz der Landeskirche Hannovers verliehen. Regionalbischof Hans Christian Brandy ließ es sich nicht nehmen, während seines Abschiedsbesuchs in Rotenburg die Auszeichnung persönlich zu übergeben und das rund 40-jährige ehrenamtliche Engagement des Rotenburgers zu würdigen.

Ladwig war seit der Gründung der Auferstehungsgemeinde 1987 im dortigen Kirchenvorstand tätig, über viele Jahre hinweg in leitender Verantwortung. Früh setzte er sich in diesem Amt für die regionale Zusammenarbeit der Rotenburger Gemeinden ein und übernahm Verantwortung auf Verbandsebene – etwa als langjähriger Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Rotenburg. Besonders hervorzuheben war für Brandy ebenfalls das kontinuierliche Wirken von Ladwig im Kirchenkreistag, dem Ladwig seit 1989 angehört – seit dreißig Jahren als dessen Vorsitzender. Auch auf landeskirchlicher Ebene hat sich der Rotenburger engagiert: als Mitglied der Landessynode, als engagierter Mitstreiter in diakonischen und weiteren kirchlichen Gremien sowie in der Anerkennungskommission für Betroffene sexualisierter Gewalt.

„Ich habe Ihre ruhige, besonnene, verlässliche, kluge und menschlich zugewandte Art sehr schätzen gelernt“, sagte Brandy während der Verleihung. Sie kam für Ladwig komplett überraschend. Er dankte herzlich für die Anerkennung und betonte, dass ihm die Arbeit immer noch viel Freude bereite. „Ich finde es besonders faszinierend, dass wir im Ehrenamt mit Menschen zusammenarbeiten, die mit einem gemeinsamen Ziel antreten, aber nicht unbedingt immer einer Meinung sind. Und trotzdem schaffen wir es am Ende, gute Lösungen zu finden“, sagte Ladwig.

Dass in heißen Debatten auch verhärtete Fronten wieder aufgelöst wurden, war häufig das Verdienst von Hartmut Ladwig. Das betont Superintendent Michael Blömer: „Ich schätze seine ausgleichende Art sehr.“ Auch Blömer dankt Ladwig am Rande der Kirchenkreissynode für all seinen Einsatz auf so vielen Ebenen der Kirche. „Das ist wirklich etwas Besonderes. Wenn einer die Auszeichnung verdient hat, dann Hartmut Ladwig.“

„Kirche muss freier und spontaner werden“ - Hans Christian Brandy verabschiedet sich als Regionalbischof

Auf der jüngsten Sitzung der Kirchenkreissynode (früher Kirchenkreistag) im neuen Treffpunkt am Kirchhof in Rotenburg stand der Abschiedsbesuch von Regionalbischof Dr. Hans Christian Brandy im Mittelpunkt. Der 66-Jährige tourt kurz vor seinem Ruhestand noch einmal durch alle neun Kirchenkreise im Sprengel Stade. Brandy hatte 15 Jahre lang die geistliche Leitung und Aufsicht im Sprengel Stade inne und betonte, dass er gerade Rotenburg in besonderer Erinnerung behalten würde. Dort war er während seiner Amtszeit besonders oft gewesen. „Das lag an der Diakonie, die für unseren Sprengel und auch für die ganze Landeskirche eine herausragende Rolle spielt“, sagte er. Brandy gehörte zum Kuratorium der Stiftung der Rotenburger Werke und zum Kuratorium des Diakonissenmutterhauses.

Der Regionalbischof brachte aber nicht nur Abschiedsworte mit in die Kirchenkreissynode, er wandte sich auch mit einigen Gedanken zur Zukunft der Kirche an die Delegierten. „Wir erleben viel Veränderung in der Kirche. Und doch: Wenn ich zurückschaue, finde ich beinahe erstaunlich, wie viel gleich geblieben ist an den Grundstrukturen“, stellte Brandy fest. Dazu sei rechtlich vieles überreguliert. „Viele Dinge sind nur existent, wenn sie im „Amtsblatt“ veröffentlicht sind“, sagte er. „Das wird in einer kleiner werdenden Kirche so nicht bleiben können. Und zwar, weil wir dann an den Verwaltungslasten ersticken – das tun wir ja heute schon in Teilen“, sprach Brandy Klartext. Aber die Diskussion, wo Kirche freier und spontaner werden, weniger Institution und mehr Organisation und Bewegung sein könne, käme nach Brandys Beobachtung jetzt in Fahrt.

Auch der Mitgliederverlust, der zu einem verringerten Budget führt, würde die Kirche verändern. In der Landeskirche Hannovers liegen die Einsparvorgaben für jeden Kirchenkreis bei minus 30 Prozent bis 2035.  Doch Brandy zeigte sich zuversichtlich: „Wenn ich zurückschaue, fällt mir auf: Unsere Kirche musste immer wieder reagieren – und sie konnte es.“ Als Beispiele nannte der Landesbischof den großen Zustrom von Geflüchteten 2015/16, in der die Gemeinden und die Diakonie in beeindruckender Weise für die Menschen da gewesen wären. Und er nannte die Coronazeit, in der die Gemeinden und die ganze Kirche in kurzer Zeit neue Angebote ersonnen und sich auch den Bereich des Digitalen neu erobert hätten.

„Unsere Kirche wird deutlich kleiner und ärmer und sie wird sich sehr verändern“, war das Fazit des Regionalbischofs. Aber ihm sei deswegen nicht bange, denn er sehe sehr viele Menschen fröhlich am Werk. In der anschließenden Diskussion war zu merken, dass auch die Verantwortlichen für die evangelisch-lutherische Kirche im Kirchenkreis Rotenburg keine Angst vor Veränderung haben und engagiert nach guten Lösungen auf regionaler Ebene suchen.

Den Nachwuchs fördern - Synode beschließt halbe Stelle zur Förderung der Kirchenmusik

Während ihrer jüngsten Sitzung im neuen Treffpunkt am Kirchhof in Rotenburg fasste die Kirchenkreissynode einen weiteren Beschluss, der die Kirchenmusik aller Gemeinden unterstützen soll. Im Zuge der Änderungen des Konzeptes der Kirchenmusik wurde die Stelle der A-Musikerin Hiroko Tsutsui-Fitschen auf eine ganze Stelle aufgestockt. Mit ihren hinzugewonnen Stunden soll sich die Kirchenmusikerin aus der Peter-und-Paul-Gemeinde in Schneverdingen zukünftig um die Nachwuchsgewinnung und den Orgelunterricht im gesamten Kirchenkreis kümmern. Die andere Hälfte ihres Stellenanteils gilt weiterhin der musikalischen Arbeit vor Ort.

Auf Anregung des Musikausschusses der Kirchenkreissynode wurde bereits eine halbe Stelle für einen Popkantor geschaffen. Hauke Nebel hat diese Stelle seit Januar inne und führte seitdem in allen fünf Kirchenregionen Projekte zu populärer Kirchenmusik durch. Das Geld für die zwei halben Stellen war durch den Weggang des A-Kirchenmusikers aus Scheeßel frei geworden.

Anette Meyer, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Rotenburg