Kirchenentwicklungen aktiv gestalten

Nachricht Rotenburg/Stade/Elbe-Weser-Raum, 20. August 2026

Pastorinnen und Pastoren aus dem Elbe-Weser-Raum trafen sich in Rotenburg

Regionalbischöfin Sabine Preuschoff (Stade) leitete zum ersten Mal seit ihrem Dienstbeginn den Generalkonvent im Sprengel Stade und damit die jährliche Vollversammlung aller Pastorinnen und Pastoren des Elbe-Weser-Raums. In diesem Jahr ging es für die knapp 200 Geistlichen um die zukünftigen Entwicklungen in der evangelischen Kirche und um das Zusammenspiel der unterschiedlichen Professionen vor Ort.

Steffen Bauer, Evangelischer Theologe und Organisationsberater, war als Experte für kirchliche Veränderungsprozesse eingeladen. Seine Wahrnehmung: „Deutschlandweit wird in allen Regionen und Landeskirchen der Teamgedanke gewollt und umgesetzt. Und überall soll gerade die Ebene der Kirchenkreise eine zentrale Rolle bei den Veränderungsprozessen spielen.“ Er warb dafür, sich „radikal ehrlich zu machen“ und nicht nur zu optimieren, sondern zu verändern. Dazu gehöre der Blick vom Jahr 2035 her. „Wie sehen dann nach allen Prognosen die kirchlichen Ressourcen aus und was bedeutet es für die Arbeit vor Ort?“ Denn die entscheidende Frage sei, wie Kirche vor Ort für die Menschen gestaltet werde bei einem neuen Ausbalancieren von Kirchenentwicklung und Ressourcensteuerung. Dazu brauche es auf allen Ebenen eine Kulturveränderungen. „Wir kommen noch zu wenig von alten Bildern los und lassen uns zu wenig von neuen inspirieren.“ Freiräume zum Ausprobieren, was vor Ort am besten funktioniere und was sich Menschen von Kirche wünschten, müssten noch mehr ermöglicht werden. „Und das in aller Vielfalt und Kreativität.“

Nicola Wendebourg, Personalchefin der hannoverschen Landeskirche, warb in ihrem Beitrag für mehr multiprofessionelle Teams in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen. „Wir benötigen noch mehr gleichberechtigtes Miteinander der unterschiedlichen Berufsgruppen, denn in dieser Vielfalt liegt eine Stärke der fachlichen Arbeit.“ Dabei gebe es keine zentralen Vorgaben der Landeskirche für die konkrete Ausgestaltung der Arbeit, sondern die Teams vor Ort sollten sich anhand genauer Aufgaben entwickeln.  

„Im Konzert der verschiedenen Berufe sehe ich die Aufgabe von Pastorinnen und Pastoren darin, Gewährsleute für die Einheit der verschiedenen Dienste zu sein und die theologische Expertise einzubringen“, so die Oberlandeskirchenrätin. Von der „Allzuständigkeit“ seien Pastorinnen und Pastoren zu entlasten. „Sie sind mit ihren Fähigkeiten in spirituellen, seelsorglichen und theologischen Fragen die Fachleute und bringen diese Perspektiven und Kenntnisse in ihre Teams und ihre Gemeinden ein.“  Nicht jeder solle alles machen, sondern das, „worin er oder sie besonders gut ist.“

Am Nachmittag berichtete Sabine Preuschoff von ihren Eindrücken der ersten Monate als Regionalbischöfin. Seit November des letzten Jahres ist sie für knapp 200 evangelisch-lutherische Gemeinden zwischen Elbe und Weser zuständig. „Ich bin tief beeindruckt von der vielfältigen Arbeit in den Gemeinden und Einrichtungen, für die ich unfassbar dankbar bin“, so die leitende Geistliche.  Sie habe alle neun Kirchenkreise jeweils einen Tag lang besucht und kennengelernt, daneben zahlreiche Einrichtungen wie die Seemannsmission, das Evangelische Bildungszentrum Bad Bederkesa, die Telefonseesorge oder das Hospiz zwischen Elbe und Weser. „Ich danke allen für die Treue im Dienst, für ihren Mut, Neues auszuprobieren und die Bereitschaft, Kirche neu zu gestalten. Aber auch für ein loyales und kollegiales Miteinander und den Blick füreinander.“  

Begonnen hatte der Tag am Morgen mit einem Gottesdienst in der Rotenburger Stadtkirche, in dem Regionalbischöfin Preuschoff die Predigt hielt. Landesbischof Ralf Meister gedachte der verstorbenen Geistlichen des letzten Jahres und setzte das Abendmahl ein.

Sonja Domröse, Pressesprecherin Sprengel Stade