Bei Jugendfreizeiten einer evangelischen Kirchengemeinde waren Kinder über Jahrzehnte physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt. Nun arbeitet die Gemeinde die Vorfälle auf und räumt massive Fehler in der Vergangenheit ein.
Buxtehude (epd). Eine eiskalte Dusche bei Heimweh, Essen trotz massiven Ekels herunterwürgen oder bis Mitternacht alleine im Speisesaal sitzenbleiben, um trotz Würgereizen ein Glas Milch und eine Scheibe Käse zu verzehren: Erfahrungen, die sechs- bis zwölfjährige Kinder ab den 1980-er bis zu den 2010-er Jahren bei Freizeiten der Buxtehuder Kirchengemeinde St. Petri machen mussten. Weil den Berichten der Kinder lange nicht geglaubt wurde, werden die Vorfälle erst jetzt aufgearbeitet. Als unabhängiger Moderator legte der Jurist Wolf-Peter Groß am Freitag einen 26-seitigen Bericht vor.
Im Fokus der Anschuldigungen stehen zwei ehrenamtliche Betreuerinnen, die sich über Jahrzehnte sehr für die Jugendarbeit in der Gemeinde engagierten. Die Ältere der beiden - ihr werden die schwersten Vorwürfe gemacht - ist inzwischen gestorben. Die jüngere Betreuerin weist laut Groß die Vorwürfe zurück oder relativiert sie.
Aufarbeitung startete im Mai 2025
Der Jurist erhielt im Mai 2025 den Auftrag, die Vorfälle zu dokumentieren und aufzuarbeiten. Vorherige Versuche seitens des Kirchenvorstandes, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen, seien aufgrund des verlorenen Vertrauens nicht erfolgreich gewesen, sagte Kirchenvorsteher Wolf-Dieter Syring.
Insgesamt führte Groß 30 Gespräche mit den heute zum Teil erwachsenen Betroffenen und Eltern sowie mit Verantwortlichen aus der Kirchengemeinde. Dabei sei auch ein Fall von sexualisierter Gewalt aufgedeckt worden: Eine jugendliche Person sei in ein Abhängigkeitsverhältnis mit erzwungenen Intimitäten zu der älteren Betreuerin geraten. Die Person habe sich erst nach fünf Jahren aus dem Verhältnis befreien können und habe therapeutische Hilfe in Anspruch genommen.