Reetdach, Fachwerk, alter Baumbestand – und eine eingemauerte Kanonenkugel aus dem 15. Jahrhundert: Das Ensemble aus Liebfrauenkirche, Gemeinde- und Pfarrhaus ist eine Augenweide. Zehn Jahre war dieses idyllische Fleckchen Erde der „Arbeitsplatz“ von Martina Scholz-Mehrtens. Am 30. November wird die Pastorin in den Ruhestand verabschiedet.
„Es sind viele letzte Male, die ich gerade erlebe“, sagt die 66-Jährige – und man merkt, dass ihr das nicht leichtfällt. In Elmlohe und Drangstedt hat sie sich sehr wohl gefühlt. Hier habe sie mit einem sehr aktiven Kirchenvorstand und engagierten Ehrenamtlichen zusammenarbeiten können. „Was bedeutet es, als Christ zu leben? Hierauf mit einer Gemeinde Antworten zu finden, das bedeutet mir viel“, betont Martina Scholz-Mehrtens. Mit ihrer Gemeinde durch das Kirchenjahr zu gehen, Feste und musikalische Gottesdienste mit vertrauten Gesichtern zu feiern – das habe ihr viel Freude bereitet. Dazu gehörten zum Beispiel die Gottesdienste unter freiem Himmel an Himmelfahrt, der Erntedankgottesdienst in Drangstedt oder der Reformationstag. Hinterher gemeinsam zusammenzusitzen, etwas zu essen und zu trinken – das seien Traditionen, die ihr ans Herz gewachsen sind. Genauso wie die alten Texte aus der Bibel: Sich damit beruflich beschäftigen zu können, habe sie als „Luxus“ empfunden.
Seit ebenfalls zehn Jahren war Martina Scholz-Mehrtens auch als Krankenhausseelsorgerin in Debstedt im Einsatz. „Zwei halbe Tage war ich in der Klinik, die seit drei Jahren ja ausschließlich eine Psychiatrie ist. Ich bin für Gespräche da, biete offenes Singen an und gestalte Gottesdienste. Ich habe hier viele tolle Menschen kennengelernt. Es war sehr bereichernd für mich.“ Es sei eine gute Kombination gewesen: im Klinikum intensive Zeit für Seelsorge, in der Kirchengemeinde aktives Gemeindeleben, aber eben auch viel Schreibtischarbeit.
Aufgewachsen in Hambergen und geprägt von einer abwechslungsreichen Zeit in der Evangelischen Jugend studierte die Mutter zweier erwachsener Kinder in Göttingen und Münster Theologie. 1988 wurde sie in der Grafschaft Schaumburg ordiniert. Später wechselte sie zurück in den Norden, war zehn Jahre lang Pastorin in Loxstedt und dreieinhalb in Hipstedt. Der Region bleibt sie auch in Zukunft treu: „Schon seit zwei Jahren wohnen mein Mann und ich in Schiffdorf.“
Für den Ruhestand hat sich die Theologin einiges vorgenommen: in Kindergarten oder Grundschule vorlesen, mal bei den „Omas gegen rechts“ vorbeischauen, Hobbys wie Kalligrafie, Singen und meditatives Tanzen wieder aufnehmen, kulturelle Angebote nutzen, sich vielleicht ein E-Bike anschaffen. „Aber ich freue mich auch darauf, Zeit zu haben und die Dinge in Ruhe angehen zu lassen.“
Ihre Pfarrstelle wird nicht wieder besetzt. „Der Kirchenvorstand ist jedoch sehr selbstständig. Außerdem werden Pastor Dirk Glanert und Pastor Andreas Maack die pastoralen Aufgaben übernehmen“, weiß Martina Scholz-Mehrtens.
Ihr letzter Gottesdienst am Sonntag, 30. November, 14 Uhr in der kleinen Kirche wird bunt. Superintendent Albrecht Preisler wird mit dabei sein, es spielt der Posaunenchor, und der Chor „Zwischentöne“ singt. Im Anschluss gibt es im liebevoll sanierten Gemeindehaus einen Empfang mit der Gelegenheit, sich von Martina Scholz-Mehrtens persönlich zu verabschieden.
Ute Schröder, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Wesermünde