Regionalbischof Brandy verabschiedet sich aus dem Sprengel - Politologe: Pfarrer sollten Populisten mit Haltung begegnen

Nachricht Rotenburg, 07. April 2025

Generalkonvent im Sprengel Stade

Theologinnen und Theologen beschäftigen sich mit dem Thema Demokratie

Der scheidende Regionalbischof Hans Christian Brandy (66) hat bei seiner letzten Vollversammlung der Pastorinnen und Pastoren im Weser-Elbe-Raum trotz weiter sinkender Kirchenmitgliedszahlen zu Zuversicht aufgerufen. „Unsere Kirche wird deutlich kleiner und ärmer und wird sich sehr verändern.“ Gleichwohl sehe er „sehr viele Menschen fröhlich am Werk“, sagte er am Mittwoch in Rotenburg vor dem Generalkonvent des evanglisch-lutherischen Sprengels Stade. Brandy hatte sein Amt am 1. April vor 15 Jahren angetreten. Am 29. Juni wird er in den Ruhestand verabschiedet.

Auf seine Zeit als Regionalbischof im Sprengel blicke er dankbar zurück. Besonders nannte Brandy unter anderem die Diakonie in Rotenburg, die Seemannsmission und das Bildungszentrum in Bad Bederkesa.

Kritisch kommentierte Brandy den Umgang seiner Kirche mit den Themen Missbrauch und sexualisierte Gewalt: Viel zu spät seien die Kirche und die Kirchenleitung „Schritte gegangen im Blick auf Transparenz, im Hören auf Betroffene, in der Ausstattung der Fachstelle unserer Kirche. Ich bin erschrocken darüber, dass wir nach diesen Jahren da stehen, wo wir eben heute stehen.“

Die jüngsten Zahlen zu Mitgliederentwicklung seien unerfreulich und ernst. Dennoch biete die Entwicklungen eine Chance, „Kirche neu zu gestalten, neue Prioritäten zu setzen, Selbstverständlichkeiten infrage zu stellen“. Brandy wünschte seinen Kolleginnen und Kollegen, „dass Sie diese Chance ergreifen können, Kirche neu und anders zu gestalten, in der das Evangelium zeitgemäß unter den Menschen sein kann“.

Gastredner des Treffens zum Thema Demokratie war der Politikwissenschaftler Elvin Hülser vom Antikriegshaus in Sievershausen. Er riet den mehr als 200 Pastorinnen und Pastoren, im Umgang mit Populisten zu einer klaren Haltung zu demokratischen Werten. Sie seien Botschafter einer liberalen Demokratie, die sich auch auf christliche Werte stütze. Dazu gehöre Engagement und die Bereitschaft „auch die Dinge zu erklären, die wir nicht für erklärungsbedürftig halten“, sagte Hülser.

Zum Sprengel Stade gehören neun Kirchenkreise mit 182 Kirchengemeinden und rund 480.000 Gemeindemitgliedern. Er zählt damit zu den größeren Sprengeln der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Politologe: Pfarrer sollten Populisten mit Haltung begegnen

Der Politikwissenschaftler Elvin Hülser vom Antikriegshaus in Sievershausen rät im Umgang mit Populisten zu einer klaren Haltung zu demokratischen Werten. Gleichzeitig gelte es, gesprächsbereit zu bleiben, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Hülser war am Mittwoch Gastreferent in Rotenburg bei Bremen bei der Vollversammlung der hannoverschen Pastorinnen und Pastoren im Elbe-Weser-Raum.

Viele Menschen seien angesichts rasanter gesellschaftlicher Veränderungen verunsichert und empfänglich für populistische Thesen und Verschwörungstheorien, erläuterte Hülser. Eine dieser Theorien sei die Glorifizierung der Vergangenheit. Der US-Präsident Donald Trump schlage mit seinem „Make America great again“ in diese Kerbe. Er vermittle damit das falsche Gefühl, die Menschen könnten noch „im goldenen Zeitalter“ leben, wenn es bestimmte andere nicht gäbe. Populisten sei es wichtig, vermeintlich Schuldige zu identifizieren.

Ein großer Teil der Bevölkerung habe seine Grundzuversicht in die Zukunft verloren, sagte Hülser. Emotionen und negative Gesellschaftsbilder seien enorm stark, auch wenn die persönliche Lebenssituation sich darin überhaupt nicht widerspiegele. So fühlten sich immer mehr Menschen gefährdet, obwohl die Kriminalitätsstatistik sinke. Das bedeute aber nicht, dass alle Verunsicherten Populisten oder Verschwörungstheoretiker seien.

Oft suchten Menschen mit populistischem Gedankengut nach Orientierung. Den Pastorinnen und Pastoren empfahl Hülser, in Gesprächen mit ihnen Fragen nach deren Gefühlen und der Herkunft ihrer Informationen zu fragen. Theologen könnten Orientierung geben, indem sie erklärten, welche Werte ihnen wichtig seien - ohne dabei zu belehren. „Wir müssen auch die Dinge erklären, die wir nicht für erklärungsbedürftig halten“, sagte Hülser.

Der Politologe kam auf Einladung des scheidenden Stader Regionalbischofs Hans Christian Brandy (66) zum sogenannten Generalkonvent in die Rotenburger Niedersachsenhalle. Brandy wird am 29. Juni nach 15 Jahren im Amt in den Ruhestand verabschiedet. Seine Nachfolge ist noch ungeklärt.

Der Konvent ist die jährliche Vollversammlung der etwa 250 Pastorinnen und Pastoren des evangelischen Sprengels Stade. Zu diesem Kirchenbezirk gehören neun Kirchenkreise mit 182 Kirchengemeinden und rund 480.000 Gemeindemitgliedern. Er zählt damit zu den größeren von insgesamt sechs Sprengeln der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Jörg Nielsen, Evangelischer Pressedienst (epd)