„Eine Predigt über das Singen“, das versprach Dr. Hans Christian Brandy, Regionalbischof für den Sprengel Stade, im Gottesdienst zu Beginn der Tagung der Synode der hannoverschen Landeskirche. Und er hielt Wort. In seiner ganzen Vielfalt stand das Singen im Mittelpunkt von Predigt und Gottesdienst. Denn der Predigttext für den Sonntag Kantate berichtet von der Kraft des Singens, selbst in bedrängenden und scheinbar aussichtslosen Situationen.
In der Apostelgeschichte (16,23-34) berichtet der Evangelist Lukas von der Rettung zweier Männer, Paulus und Silas, aus der Gefangenschaft. Das Singen war dabei von nicht geringer Bedeutung in dieser Erzählung, die im Gefängnis beginnt, sich über ein Erdbeben und eine Bekehrungsgeschichte fortsetzt, um mit einem Festmahl in Freiheit zu enden.
„Die äußerlich Gefangenen“, so Brandy, „sind innerlich frei. Sie erproben und erfahren die widerständige, die revolutionäre Kraft der Musik.“ Er denke dabei beispielhaft an die afroamerikanischen Sklavinnen und Sklaven, die mit ihren Gospels und Spirituals gegen Ausbeutung und Unrecht ansangen.
Die Gefangenschaft von Paulus und Silas ließ den leitenden Geistlichen fragen: „Wo sind heute unsere Gefangenschaften? Da, wo wir zu sehr auf die Zahlen starren, die negativen Trends, die hochgerechnete Mitglieder- und Finanzentwicklung?“ Brandy nahm aber auch die „staatsanaloge Rechtsförmigkeit“ der Kirche in den Blick. „Wo sind wir in eine babylonische Gefangenschaft der Bürokratie geraten, einer überzogenen Verwaltung und Reglementierung?“ Kirche müsse freier werden, weniger Institution, „mehr Organisation und Bewegung.“
Die Kraft des Singens, der Musik insgesamt, sei für ihn auch auf dem Kirchentag in Hannover spürbar gewesen. „Es ist möglich, sich nüchtern und ernsthaft den schwierigen politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit zu stellen, aber in einer Stimmung der Zuversicht, die auch durch die Musik gesetzt wurde.“ Die widerständige Kraft der Musik und ihre Stärke der Verkündigung sei ein „ungeheurer Schatz“ und gehöre zum Kernbestand des kirchlichen Lebens.
„Alle Veränderung, alle Dynamik kommt aus dem Singen“, so Brandy. Daher gelte auch in schwieriger werdenden Zeiten „klarer und entschiedener das Lob Gottes“ anzustimmen. „Es wird uns selbst und unserer Kirche guttun.“
In der liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes sowie bei der Austeilung des Abendmahls waren verschiedene Mitglieder der Synode des Sprengels Stade beteiligt: Maike Selmayr und Friederike Einschenk, Hartmut Ladwig und Birgit Spörl, Dr. Martin Krarup, Kai Köser und Dr. Harm Cordes.
Vom Singen nicht nur zu predigen, sondern die Kraft der Musik zu erleben, das war Programm: gemeinsam gesungene Lieder, die Chormusik unter der Leitung von Imke Marks und nicht zuletzt der Pop-Song der schwedischen Gruppe ABBA „Thank you for the music“, mit dem der Gottesdienst endete.
Sonja Domröse, Pressesprecherin Sprengel Stade