Da, wo die Welt zu Ende scheint, geht es noch ein bisschen weiter. Felder, Wald und dann Idylle pur: Altluneberg. Christian Neef fühlt sich hier sehr wohl. Beinahe 23 Jahre lang war er in dem kleinen Dorf Pastor. Am Himmelfahrtstag wird er in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Aber „richtiger Rentner“ ist der 64-Jährige dann noch nicht.
Die Sonne scheint auf das Gemeindehaus und die kleine Fachwerkkirche. Direkt dahinter erstreckt sich die saftige norddeutsche Weite, links am Horizont versteckt sich Bremerhavens Skyline. In der Seestadt war Neef von 1992 bis 2002 Pastor der Leherheider Lukasgemeinde, hat in Bremerhaven seine Frau kennengelernt. Sie wollte langfristig lieber aufs Land. Als er von der freien Stelle in Altluneberg erfuhr, bewarb sich der gebürtige Wolfsburger und blieb bis heute. Vielleicht wegen der Idylle und den vielen Möglichkeiten für schöne Radtouren. Ganz sicher aber wegen der Menschen. „Die Zusammenarbeit im Kirchenvorstand, aber auch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Region, mit den Vereinen, Schulen, den Ortsbürgermeistern – das hat mir immer viel Spaß gemacht.“ Aus diesen Verbindungen auf Augenhöhe entstanden viele „berufliche Highlights“. Schulanfängergottesdienste, Gedenkfeiern im Oldenburger Haus, Tauffeste am Silbersee oder der Gottesdienst am Reformationstag: „Seit 2017 gestaltet diesen der Ortskirchenvorstand mit Anspielen und Szenen. Das ist immer etwas Besonderes.“ Dazu kamen Gottesdienste außerhalb der Kirchenmauern, nicht nur in Altluneberg, sondern auch in den zur Kirchengemeinde gehörenden Ortschaften Geestenseth und Wehdel.
Für deren Geschichte interessiert sich der Theologe, der in Bethel, Heidelberg und Göttingen studiert hat. „Und ich kenne wahrscheinlich jede Straße beim Namen“, sagt Christian Neef lachend. Und auch viele Familien: „Wenn man so lange an einem Ort ist, dann kann man mitreden und weiß, wer früher mal hier oder da gewohnt hat.“ Mittlerweile merkt er das Verwurzelt-Sein auch bei besonderen Anlässen: „Es kommt vor, dass ich Kinder taufe, deren Eltern ich konfirmiert habe.“ Taufen und auch Trauungen sind Gottesdienste, die er sehr gerne feiert.
In den vergangenen Jahren hat der Pastor den Prozess zur Dreieinigkeits-Gesamtkirchengemeinde mitgestaltet: Die Kirchengemeinden Beverstedt, Lunestedt und Altluneberg haben sich zusammengeschlossen und ihre regionale Zusammenarbeit auf ein festes Fundament gestellt. „Weil das so ist, mache ich mir um die pfarramtliche Versorgung der Altluneberger auch keine Sorgen“, betont Christian Neef. Seine Stelle wird zwar nicht wieder besetzt, aber seine Kolleginnen und Kollegen Christa Naatjes-Schroeter, Eckhard Bock sowie Katharina und Michael Behrens werden die Arbeit übernehmen. „Es ist aber nicht so, dass ich hier als Letzter das Licht ausmache.“ Wenn in der Gesamtkirchengemeinde eine weitere Stelle frei wird, dann wird diese ausgeschrieben. „Und dann kann die Neue oder der Neue auch nach Altluneberg ziehen.“ Christian Neef könnte dies wärmstens empfehlen, hat er doch mit der Ortswahl so gute Erfahrungen gemacht, dass er nach seiner Pensionierung noch ein Jahr lang im Pfarrhaus wohnen wird.
Diese tritt mit „Brief und Siegel“ zum 1. August ein. Bis dahin hat er noch viele Urlaubstage. Aber bei „Kirche auf dem Rad“ am 6. Juli wird er den Ortskirchenvorstand unterstützen, außerdem noch eine Trauung gestalten und am Ende alle Akten und Kirchenbücher nach Beverstedt bringen. Danach ist dann Zeit für Dinge, die ihm am Herzen liegen wie Radfahren, Fotografieren, Reisen und natürlich die Idylle rund um Altluneberg.
Zusatzinfo: Pastor Christian Neef wird am Donnerstag, 29. Mai, 14 Uhr in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich bei einem Empfang von Christian Neef persönlich zu verabschieden.
Ute Schröder, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Wesermünde