Evangelische Kirchen in Niedersachsen und Bremen: Gemeinsame Erklärung für Demokratie und Menschenwürde

Nachricht Hannover, 06. Mai 2026

Kirchen unterstützen Initiative des Bundespräsidenten Tag des Grundgesetzes am 23. Mai 2026 im Rahmen einer Kampagne für Demokratie

Die Leitenden Geistlichen der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und der Bremischen Evangelischen Kirche haben eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie sich zu den Grundwerten der Demokratie bekennen und zugleich Gefährdungen benennen. Unter dem Titel „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt. Wir stehen dazu!“ stellen sich Bischof Thomas Adomeit (Oldenburg), Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel (Braunschweig), Kirchenpräsidentin Dr. Susanne Bei der Wieden (Leer), Landesbischof Ralf Meister (Hannover), Landesbischof Dr. Oliver Schuegraf (Bückeburg) sowie Kirchenpräsident Dr. Bernd Kuschnerus (Bremen) hinter die freiheitlich-demokratische Grundordnung. 

Die Leitenden Geistlichen betonen, dass die freiheitlich-liberale Demokratie drei Generationen lang Frieden und Vielfalt in Deutschland ermöglicht habe und sie als Form politischen Zusammenlebens unübertroffen bleibe. Zugleich formulieren sie deutliche Kritik an Entwicklungen, die sie als gefährlich für die Demokratie und das Gemeinwesen verstehen. „Mit Sorge beobachten wir, wie Wut, Ausgrenzung und Verachtung den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben.“

Die Erklärung warnt vor antidemokratischen Tendenzen in Politik und Gesellschaft und benennt dabei ausdrücklich die Partei AfD: Führende Vertreterinnen und Vertreter der AfD äußerten sich verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch. Die Unterzeichnenden kommen daher zu dem Schluss: „Nach unserer Überzeugung ist die AfD für Christinnen und Christen nicht wählbar.“

Ausdrücklich heben die Leitenden Geistlichen die demokratische Mitverantwortung aller Bürgerinnen und Bürger hervor. Die Kirchen wollen Begegnungen über Unterschiede hinweg fördern und für einen respektvollen Umgang eintreten – auch mit denen, die anders denken, sprechen oder leben. „Unsere Perspektive ist eine menschenfreundliche Gemeinschaft, in der alle nach demokratischen Regeln zum Gelingen des Ganzen beitragen.“ Dafür treten sie aufgrund des christlichen Gebotes der Nächstenliebe und mit der Hoffnung Jesu Christi ein, die ihre Haltung auf die Zukunft hin bestimmt.  

Kirchen unterstützen Initiative des Bundespräsidenten zum Tag des Grundgesetzes am 23. Mai 2026

Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen unterstützen die Initiative von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, einen Ehrentag anlässlich des Geburtstags des Grundgesetzes am 23. Mai 2026 zu begehen. Der Bundespräsident hat zu diesem Anlass eine bundesweite Initiative ins Leben gerufen, die das Bewusstsein für die verfassungsmäßigen Grundlagen der Demokratie stärken soll.  

Weitere Informationen zur Initiative des Bundespräsidenten: https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Frank-Walter-Steinmeier/2026/04/260423-Auftakt-Ehrentag.html

Kampagne zur Demokratie

In Fortsetzung der ökumenischen Demokratie-Kampagne der christlichen Kirchen in Niedersachsen zur Bundestagswahl 2025 wollen die Kirchen auch im Hinblick auf die Kommunalwahlen in Niedersachsen (2026) und Bremen (2027) erneut ein sichtbares Zeichen für Menschenwürde, Nächstenliebe und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. Die Kirchengemeinden haben Materialien erhalten, die sie ab dem 23. Mai 2026 in ihrer lokalen Arbeit für Demokratie einsetzen können.  

Informationen zur Kampagne sind abrufbar unter https://www.evangelisch-in-niedersachsen.de/demokratie

Das Statement zur Demokratie der Leitenden Geistlichen Niedersachen und Bremen

Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt.
Wir stehen dazu!


Wir sind überzeugt.
Die freiheitlich-liberale Demokratie hat es unserem Land drei Generationen
ermöglicht, in einer vielfältigen und solidarischen Gesellschaft
im Frieden zu leben. Sie hat sich bewährt und bleibt die überzeugendste
Form politischen Zusammenlebens. Demokratie sichert Freiheit und
Gleichheit, eröff net Raum für Vielfalt und begrenzt Macht, indem sie
diese nur auf Zeit überträgt. Demokratie beruht auf Rechtstaatlichkeit
und der damit verbundenen Gewaltenteilung. Sie organisiert politische
Entscheidungen durch Mehrheiten, schützt zugleich Minderheiten
und trägt Konfl ikte im Rahmen friedlicher Aushandlungsprozesse aus.
Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft zum Kompromiss. Als Kirchen
in Niedersachsen wollen wir diese demokratische Ordnung stärken. Wir
sind überzeugt, dass Begegnung und Dialog möglich sind.

Wir sorgen uns.
Spannungen gehören zum Wesen einer demokratischen Gesellschaft.
Ein pluralitätsfähiger demokratischer Rechtsstaat muss unterschiedliche
Überzeugungen aushalten und im off enen Diskurs verhandeln.
Doch wenn demokratische Standards und grundlegende Werte ausgehöhlt
werden, geraten die Fundamente unseres Gemeinwesens in Gefahr.
Mit Sorge beobachten wir, wie Wut, Ausgrenzung und Verachtung
den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben. Stimmen werden
lauter – teils auch demokratisch legitimiert –, die autoritär auftreten
und demokratische Prinzipien missachten. Sie instrumentalisieren die
Meinungsfreiheit zur Herabwürdigung anderer, beanspruchen für sich,
allein zu wissen, was „das Volk“ wolle, und schließen Menschen bewusst
aus. Dabei wird ethnische Zugehörigkeit über Staatsbürgerschaft
gestellt. Führende Vertreter der AfD äußern sich verfassungsfeindlich
und rechtsextremistisch. Nach unserer Überzeugung ist die AfD für
Christinnen und Christen daher nicht wählbar.

Wir setzen uns ein.
Als Christinnen und Christen treten wir entschieden für die Werte
ein, von denen Demokratie lebt: Menschenwürde, Nächstenliebe und
Zusammenhalt. Demokratie ist auf die aktive Beteiligung ihrer Bürgerinnen
und Bürger angewiesen. Sie lebt davon, dass Menschen Verantwortung
übernehmen, wählen gehen, sich zur Wahl stellen und sich in
Kommunen, Ländern und im Bund engagieren. Wir sind dankbar, dass
so viele Menschen auf diese Weise ihre Gaben und ihre Kraft in das
Miteinander einbringen. Ohne dieses Engagement verliert Demokratie
ihre Lebenskraft. Sie braucht Menschen, die ihr leidenschaftlich und
kritisch zugleich verbunden sind, die sie stärken und weiterentwickeln.
Als Kirchen fördern wir daher Begegnungen über Unterschiede hinweg
und treten für einen respektvollen Umgang ein – auch gegenüber denen,
die anders denken, sprechen oder leben.

Das christliche Menschenbild gründet in der Zuwendung zum Mitmenschen.
Das biblische Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“,
welches Jesus gelehrt und gelebt hat, bringt diese Haltung zum Ausdruck.
Es weist über den persönlichen Bereich hinaus und prägt auch
das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft. Unsere
Perspektive ist eine menschenfreundliche Gemeinschaft, in der alle
nach demokratischen Regeln zum Gelingen des Ganzen beitragen. So
werden Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt erfahrbar.
Wir glauben, dass es sich lohnt, dafür einzutreten. Unsere Hoffnung auf
Jesus Christus gibt uns die Kraft dazu. Dazu stehen wir!

Pressestelle der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen