„Ja, ich bin bereit.“

Nachricht Wallhöfen, 26. Mai 2025

Der lange Weg der Magrit Rauf zur Prädikantin

Es ist ein stiller, feierlicher Moment in der Kirche St. Jürgen. Die Posaunen erklingen, als Magrit Rauf mit festem Schritt nach vorn tritt. Magrit Rauf wird offiziell in das Amt der Prädikantin eingeführt – ein Höhepunkt eines langen, intensiven und oft fordernden Weges. Es ist kein Zufall, dass sie hier steht. Es ist das Ergebnis von Entschlossenheit, Glauben und harter Arbeit.

Doch was macht eigentlich eine Prädikantin? Sie erhält nach den entsprechenden Vorbereitungen den Auftrag zur freien Wortverkündigung im Bereich des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck. Einige Jahre war Magrit Rauf als Lektorin tätig, die vorbereitete Predigten liest. Eine Prädikantin verfasst ihre Texte selbst. Sie gestaltet Gottesdienste, interpretiert die Bibel, spricht über Gott und das Leben – und darf nun auch das Abendmahl feiern. Es ist eine Aufgabe mit großer Verantwortung, aber auch mit viel Raum für Kreativität, Persönlichkeit und Spirit.

Von der Kinderkirche zur Kanzel

Alles begann in Wallhöfen, in ihrem Ehrenamt in der Kinderkirche. Dort entfachte sich in Magrit Rauf die Neugier: Was steht eigentlich in der Bibel? Diese Frage ließ sie nicht mehr los. Der erste Schritt war der Lektorenkurs, ein Crashkurs zwischen 2016 und 2018. Sechs intensive Wochenenden in Bad Bederkesa, Lesepredigten, Gemeinschaft. Die Gruppe nannte sich liebevoll „Die wilde 13“ – ein bunter Haufen, wie Rauf sagt. Der Kontakt zu einigen besteht bis heute.

Einige machten sofort weiter, Magrit wartete. Familie, Beruf, das Leben – all das brauchte Zeit. Doch der Wunsch, mehr zu tun, tiefer einzutauchen, ließ sie nicht los. Der nächste Schritt war klar: die Ausbildung zur Prädikantin.

Hildesheim – das Herzstück der Ausbildung

Die zweijährige Ausbildung hatte es in sich. 12 volle Wochenenden in Hildesheim – freitags bis 21 Uhr, samstags und sonntags durchgehend Seminare, Diskussionen, Gruppenarbeiten. Magrit nahm sogar Urlaub, um den Anforderungen gerecht zu werden. Und sie sagt heute mit einem Lächeln: „Ich habe noch nie so viele Hausaufgaben gemacht.“

Die Themen? Vielschichtig und tiefgründig: Von theologischen Fragen wie zum Beispiel „Wie können wir von Gott reden?“, über das Alte Testament, Paulus’ Briefe, bis hin zu ethischen Urteilsbildungen und natürlich – dem Abendmahl, das gleich drei ganze Wochenenden füllte. Immer wieder wurden Predigten geschrieben, gehalten, reflektiert – mit offenem Feedback, mit Austausch, mit Herzblut.

Ihre Mentorin, Pastorin Christa Siemers-Tietjen, begleitete sie durch diese intensive Zeit. Gemeinsam arbeiteten sie an Predigten, suchten nach Worten, die tragen. Magrit Rauf sagt: „Für eine Predigt brauche ich heute noch vier Wochen.“

Ein Kurs, der bewegt

Die Teilnehmer des Kurses kamen aus allen möglichen Lebens- und Altersbereichen. Diese Vielfalt brachte Tiefe, neue Perspektiven, Offenheit. Aus 12 Teilnehmern wurden erst 15, drei aus Oldenburg stießen dazu, am Ende elf. Es war ein Kommen und Gehen – und doch eine Gemeinschaft, die trug. Der Unterricht endete nicht am Lehrplan. Museumsausflüge, Konzerte, Schreibübungen – die Texte arbeiteten an ihnen allen, forderten, veränderten, stärkten den Glauben. Rauf sagt: „Der Kurs war eine große Bereicherung.“

Der große Tag

Der Gottesdienst zur Einführung wurde von Superintendentin Jutta Rühlemann geleitet. Die Urkunde wurde verlesen, Magrits Mentorin stand stolz an ihrer Seite. „Ja, ich bin bereit“, sprach Magrit Rauf – und damit auch ein Stück zu sich selbst. Ihre Begleiter, Detlef Schobeß und Bärbel Fritz, waren ebenso an ihrer Seite wie Kreisposaunenwart Florian Kubiczek, der die Andacht vorbereitete und durch Rauf an diesem Tag Unterstützung erfuhr. „Das war so schön“, sagt sie rückblickend.

Anschließend gab es eine kleine Feier im Schulhaus – mit Geschenken, Imbiss, warmen Worten. Familie, Freunde, Kollegen – sie alle waren gekommen, um zu feiern, was sie erreicht hatte. Und wie sie es erreicht hatte.

Ausblick mit Zuversicht

Am Sonntag, dem 15. Juni predigt die neue Prädikantin vor heimischem Publikum in Wallhöfen, und am 27. Juli in Hambergen. Raufs Fazit nach diesem langen Weg: „Das war kein einfacher Weg.“ Aber es war ihr Weg. Ein Weg, der ihren Glauben gestärkt, ihr Herz geöffnet und ihr Leben bereichert hat. Und nun, als Prädikantin, wird sie vielen Menschen begegnen – mit eigenen Worten, mit offenem Herzen, mit dem Vertrauen, dass es gut ist, was sie tut.

Andreas Hanuschek, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck